Pernell Roberts

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 Eine Wolke hängt an der Spitze des Berges-Mein Herz hängt an ihr.----Indianisches Sprichwort. Teil AI

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Wilddog-13

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BeitragThema: Eine Wolke hängt an der Spitze des Berges-Mein Herz hängt an ihr.----Indianisches Sprichwort. Teil AI   So Jan 17, 2016 12:16 pm

Er war froh, dass er den Buggy genommen hatte.
Es ist doch heute sehr kalt geworden und die Sonne hatte sich auch noch nicht blicken lassen.

Aber er musste doch zu ihr.
Egal wie kalt es war und wie sehr seine Knochen ihm wehtaten.
Es war doch ihr Geburtstag heute und er hatte noch nie ihren Geburtstag verpasst.

Er stieg aus dem Buggy und lief zu ihrem Grab.

„Hallo Koko. Ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag.
Ich hoffe, du hast jemanden gefunden, der mit dir feiert?
Ich habe dir ein kleines Geschenk mitgebracht.“

Er legte eine Adlerfeder auf das Grab.

Auch sie hatte ihm damals eine Feder zu seinem Geburtstag geschenkt und ihm erklärt, dass die Indianer die Feder eines Adlers als heilig ansehen, und dass die heilige Feder das Symbol der Wahrheitsliebe und der Treue ist.

Da er nicht mehr so lange knien konnte, stand er auf und setzte sich auf einen Stein.
Nun war sie schon seit drei Monaten nur noch in seinem Herzen.
Er lächelte.
So wie er sie kannte, hatte sie sicher mit dem Einschlafen gewartet, bis er über den Tod seiner Frau hinweggekommen war.
Koko war es schon immer wichtig gewesen, dass es ihm gut ging.
Erst danach dachte sie an sich.

Er hätte es gerne gesehen, dass die zwei wichtigsten Frauen in seinem Leben nebeneinander ihre letzte Ruhestätte gefunden hätten.
Aber Kokos Mann hatte sich diesen Platz hier ausgesucht und er hätte es nie gewagt ihm seinen Wunsch mitzuteilen.

Der Wind nahm zu und er stellte den Kragen seiner Jacke auf, um sich etwas vor der Kälte zu schützen.
Wenn seine Kinder wüssten, dass er bei diesem Wetter an ihrem Grab sitzt, würden sie ihm wieder etwas erzählen.
Aber wollte nicht, dass ihn jemand begleitet, wenn er sie besucht.
Er wollte mit ihr alleine sein.

Der Wind wurde immer stärker und er sah nach oben.
Es würde sicher heute noch schneien.

Er musste wieder lächeln.

„Weißt du noch Koko? Damals fiel auch der erste Schnee des Jahres.“

In Gedanken ging er in die Zeit zurück, als sie sich kennengelernt hatten.

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Es würde sicher heute noch Schnee geben.
Vielleicht fängt es ja gleich an, dann könnte er die Schneeflocken zählen, das war sicher interessanter, als hier zu sitzen und die Aufgabe zu erledigen.
Zum fünften Mal schon.

Nun war er seit drei Wochen in der Schule und er hasste sie schon.
Dabei hatte er sich so gefreut, dass er nun endlich die Schule besuchen durfte und dann wusste er bereits nach zwei Stunden, dass er hier wahrscheinlich nie Spaß haben würde.

Er musste einen Test schreiben, damit Mr. Flechter beurteilen konnte, in welche Klasse er kommen würde.
Es war ein sehr einfacher Test. Er konnte die ihm gestellten Aufgaben innerhalb einer Stunde lösen, und er war sich sicher, dass er keinen einzigen Fehler gemacht hatte.

Mr. Flechter hatte sich den Test sehr lange angesehen, dann kam er an seinen Tisch und beugte sich zu ihm hinunter und sprach sehr leise mit ihm.

„Mein Junge, ich habe keine Ahnung wie du schummeln konntest, aber wenn du jetzt meinst, ich setzte dich zu den Viertklässlern, hast du dich getäuscht.
Ich werde dich im Auge behalten.“

Keine Woche später stand er zum ersten Mal in der Ecke, und das nur, weil er Mr. Flechter darauf hingewiesen hatte, dass er einen Fehler bei der Lösung einer Matheaufgabe gemacht hatte.
Am Anfang hatte er die Aufgaben hintereinanderweg bearbeitet und war immer einer der Ersten, die fertig waren.
Mr. Flechter war natürlich darüber auch nicht erfreut und erklärte ihm, dass er alle Aufgaben solange wiederholen musse, bis auch der letzte sie ebenfalls beendet hätte.

Nun ließ er sich immer Zeit und schaute aus dem Fenster und träumte vor sich hin.

„ADAM“

Er fuhr zusammen. Wie oft hatte Mr. Flechter ihn schon wieder gerufen, ohne dass er es mit bekommen hätte.

„Ja?“

Mr. Flechter stand mit hochrotem Kopf vor ihm.

„Adam Cartwright, wie oft muss ich dir das noch sagen.
Wenn ich dich anspreche, hast du aufzustehen und dann heißt es, „ja Sir“ und nicht einfach nur ja.
Muss ich erst wieder einen Brief an deinen Vater schreiben, damit er dir erklärt, wie man sich gegenüber Erwachsenen verhält?“

Adam stand auf und sah an Mr. Flechter vorbei.

„Nein Sir.“

„Zur Strafe, weil du wieder nur aus dem Fenster geschaut hast und nicht dem Unterricht gefolgt bist, machst du jetzt die Tafel sauber und danach bleibst du bis zum Schulschluss in der Ecke stehen.“

Zuerst wollte Adam Mr. Flechter als passende Antwort geben, dass er seine blöde Tafel selber sauber machen könne, er überlegte es sich dann aber lieber anders.
Er wollte nicht schon wieder ein ernstes Gespräch mit seinem Vater im Stall haben.
Deswegen machte er das, was Mr. Flechter ihm aufgetragen hatte und stand dann drei Stunden in der Ecke, weil er natürlich nicht mit den anderen in die Pause gehen durfte.

Zum Schulschluss bekam Adam wieder einen Brief von Mr. Flechter, den sein Vater unterschreiben sollte.
Mit hängendem Kopf lief er zu seinem Pferd.

„Hey Cartwright, wovon träumst du denn schon wieder? Von Lisas großen Brüsten?“

War ja klar, dass Mitch mit seinen Freunden auf ihn gewartet hatte,.
Er lief weiter zu seinem Pferd.

„Was ist los Cartwright? Bleib doch mal stehen, oder hast du Angst?“

Warum können sie ihn nicht einfach in Ruhe lassen.

Plötzlich stolperte Mitch nach vorne und konnte gerade noch verhindern, dass er zu Boden fiel.

„Was soll….“

Er drehte sich um und wurde noch wütender.

„Halbblut suchst du Probleme?“

„Ich nicht, aber du und deine Freunde.
Last Adam in Ruhe.“

„Oh, Oh Cartwright hat eine Freundin und dazu noch ein Halbblut“

Mitch hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da kniete er schon im Schnee und hielt sich das Auge.


„Ich würde sagen, du nimmst jetzt deine Freunde und verschwindest.“

Mitch suchte seine Schulbücher zusammen und stand auf.

„Das wirst du mir büßen, Halbblut.“

Er nickte seinen Freunden zu und verschwand hinter dem nächsten Gebäude.


„Danke Jessica, aber das hättest du nicht zu tun brauchen. Ich wäre schon klar gekommen.“

Adam half ihr, ihre Bücher aufzusammeln.

„Warum wehrst du dich nicht Adam? Warum schlägst du nicht einfach mal zu?“

Er zuckte mit den Schultern.

„Das geht nicht. Ich bin doch erst seit drei Wochen hier und habe schon fünf Briefe mit nach Hause bekommen. Wenn ich mich jetzt noch schlage, dann kann ich wahrscheinlich eine Woche nicht zur Schule kommen, weil ich nicht mehr sitzen kann.“

„Dann geht es dir ja wie mir. Nur, dass ich keinen Ärger zu Hause bekomme.
Meine Eltern wissen, dass Mr. Fletcher mich nicht leiden kann, weil mein Vater ein Indianer ist.“

Er packte seine Bücher in die Satteltasche.

„Du weißt wenigstens, warum er dich nicht mag. Ich habe keine Ahnung, warum er mich von Anfang an nicht leiden konnte.“

„Du bist zu schlau Adam. Damit kann er nicht umgehen. Kinder müssen in seinen Augen dumm sein, besonders wir hier.
Er ist der Meinung, dass wir alle aus den Städten geflüchtet sind, weil unsere Eltern zu blöd waren, dort Arbeit zu finden.“

„Die Frage ist, wer hier dumm ist.“

Jessica musste lachen.

„Wenn er das hört, kannst du dir schon mal ein extra dickes Kissen besorgen.“

„ Ist doch wahr Jessica. Ich habe gar keine Lust auf die Schule.
Ich würde mir wünschen, wir würden woanders hinziehen.“

Er lehnte sich mit dem Gesicht an sein Pferd. Sie sollte nicht sehen, wie traurig er war.
Jessica kam an seine Seite und boxte ihn leicht gegen den Arm.

„Mensch Adam. Du bist doch erst seit kurzem hier.
Glaube mir, es ist ein schönes Land und wir beide werden viel Spaß hier haben.“

Adam drehte seinen Kopf zu ihr.

„Wir?“

„Na wir sind doch jetzt Freunde oder nicht?“

Na toll! Sein erster Freund hier in Nevada war ein Mädchen und sie war auch erst sieben Jahre alt.

„Das sind wir Jessica.“

Sie stieg auf ihr Pferd.

„Adam, bitte nenne mich nicht Jessica. Mein indianischer Name ist Koko.“

Auch er saß jetzt im Sattel.

„Wo wohnst du Koko?  Vielleicht haben wir denselben Weg?“

„Den haben wir. Ich sehe dich ja jeden Morgen, wenn du zur Schule reitest.
Unser Haus liegt nicht weit von eurem entfernt. Ich muss am Biberbach nach rechts.“

Beide machten sich auf den Weg nach Hause.
Am Biberbach verabredeten sie sich für den nächsten Morgen.


Adam versuchte, so langsam wie möglich den letzten Teil des Weges zurückzulegen.
Er wusste, dass sein Vater wieder sauer sein würde, wenn er ihm den Brief von Mr. Flechter gäbe.
Dass sein Vater mit ihm sauer ist, ist ja nicht das schlimmste für ihn, sondern das er von Adam enttäuscht ist.
Aber was sollte Adam ihm sagen? Das was Mr. Fletcher in den Briefen schrieb, war ja wahr.
Er träumt in der Schule, gibt patzige Antworten und hatte sich am Anfang mit den anderen Jungen geschlagen.
Wie sollte er seinem Vater denn erklären, dass es nur daran lag, dass Mr. Flechter ihn nicht mochte.
Adam wusste genau, was er zu hören bekommen würde.

Mein Sohn, man kann nicht jeden Menschen leiden, aber er ist dein Lehrer, also sei höflich zu ihm, mache deine Aufgaben und du wirst keinen Ärger bekommen.

Wenn das so nur so einfach wäre.

Er hatte sein Pferd versorgt und öffnete die Tür zum Haus.
Sofort kam sein kleiner Bruder auf ihn zugerannt und wollte auf den Arm.

Adam legte seine Sachen auf den Tisch und hob ihn hoch.

„Hallo Hoss. Hast du viel Spaß mit Hop Sing gehabt?“

„Kekse gebacken.“

„ Hast du mir auch einen übriggelassen?“

Hoss lachte, weil ihn Adam immer damit ärgerte.

„Ja, auch für Pa.“

Adam ließ Hoss wieder hinunter und wollte seine Sachen auf sein Zimmer bringen.

„Sohn Nummel eins ist ganz schön spät. Essen ist fast kalt.
Ml. Caltwhlight hat schon geschimpft.“

Sein Vater war schon zu Hause? Sonst kommt er doch immer erst zum Abendbrot wieder, weil draußen so viel zu tun war.

„Ich bringe nur meine Sachen ins Zimmer, dann komme ich.“

Keine fünf Minuten später saß er am Tisch und versuchte, seinen Vater nicht anzusehen.

„Wie war es heute in der Schule Adam?“

Ohne den Blick vom Teller abzuwenden, antwortete er seinem Vater.

„Die ersten Stunden waren ganz in Ordnung.“

Ben legte das Besteck zur Seite.

„Die ersten Stunden?“

„Ich habe wieder einen Brief von Mr. Flechter für dich.“

Auch wenn sein Blick immer noch nach unten gerichtet war, wusste er genau, wie sein Vater ihn gerade ansah.

„Adam würdest du mich bitte ansehen, wenn ich mit dir spreche.“

Er hob seinen Kopf.

„Ja Sir.“

„Kannst du mir bitte erklären, warum du dich nicht mehr benehmen kannst?
Ich muss mich um so viel hier kümmern, damit wir gut über den Winter kommen und du hast nichts anderes zu tun, als mir noch zusätzliche Probleme zu machen?“

„Es wir nicht wieder vorkommen Pa.“

Bens Nerven waren durch die viele Arbeit auf der Ranch eh schon strapaziert und nun tanzte sein Sohn noch aus der Reihe.
Seine Wut und seine Enttäuschung über ihn spiegelten sich in seiner Stimme wieder.

„Das hast du beim letzten Mal auch schon gesagt.
Hat dir unsere Unterhaltung im Stall nicht ausgereicht?“

Am liebsten hätte Adam wieder den Kopf gesenkt, um nicht weiter in die enttäuschten Augen seines Vaters sehen zu müssen.

„Es war ausreichend Sir.“

„Was ist heute vorgefallen?
Hast du dich geprügelt? Oder etwa wieder die Schule geschwänzt?“

„Nein Sir. Ich habe wieder geträumt.“

Ben schüttelte den Kopf und war zuerst einmal sprachlos.

„Adam. Ich verstehe das nicht? Du hast dich doch so auf die Schule gefreut und jetzt gibt es nur Ärger.

Adam nahm seinen ganzen Mut zusammen.

„Mr. Fletcher mag mich nicht und die Aufgaben, die ich bekomme, sind so leicht.“

Ben stöhnte auf. Da war wieder das alte Problem von seines Sohnes.
Diese Ungeduld, alles sofort wissen zu wollen, und wenn man ihn es schnell genug erklären konnte, war sein Gegenüber schuld.

„Adam, du bist neu in der Schule. Mr. Fletcher wird dir sicher bald andere Aufgaben geben.
Du musst aufhören zu denken, dass dich keiner leiden kann.
Ich erwarte von dir, dass du dich ab sofort in der Schule benimmst.
Ich möchte keine weiteren Briefe mehr bekommen. Hast du mich verstanden Adam?“

„Ja Sir.“

Ben nahm wieder sein Besteck.

„Zur Strafe wirst du nicht nur den Stall noch eine weitere Woche alleine ausmisten, du wirst auch Hop Sing in der Küche helfen und ich möchte nicht, dass du darüber auch noch deinen kleinen Bruder vergisst.“

„Ja Sir“

Was würde Adam dafür geben, wenn sie diesen Ort nie gefunden hätten.
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BeitragThema: Eine Wolke hängt an der Spitze des Berges-Mein Herz hängt an ihr.----Indianisches Sprichwort. Teil AI   Mi Jan 20, 2016 2:21 pm

„Mitch, komm einmal her. „

Mitch schlenderte zu seinen Freunden, die vor dem Schulhaus standen.

„Was ist denn los? Müssen wir etwa schon wieder rein?“

„Nein, schau mal da vorne unser neues Liebespärchen. Meinst du, wir sollten den beiden nicht mal gratulieren?“

Mitch schaute zu Koko und Adam hinüber, die auf dem Hof standen und ihre Pausenbrote aßen.

„Nö, keine Lust.“

Sein Freund Buck lachte laut los.

„Jungs, habt ihr das gehört? Der große Mitch Sanders hat Angst vor dem Halbblut. Und ich dachte, du wolltest dich noch für das blaue Auge, das sie dir vor zwei Wochen verpasst hat, rächen.“

Mitch hatte wirklich Angst vor Koko. Was die Jungens nicht wussten war, das sie ihm einen Tag später gedroht hatte, wenn er Adam nicht in Ruhe ließe, sie ihrem Großvater Bescheid sagen würde, der dann mit dem ganzen Stamm in der Nacht in sein Zimmer käme. Aber er konnte jetzt auch nicht wie ein kleiner Feigling vor seinen Freunden dastehen.

„Ich habe keine Angst. Es ist doch nur langweilig, da sich Cartwright ja nie wehrt.“

Buck lächelte fies.

„Ach, ich habe da schon eine Idee, wie du zu einer guten Prügelei mit Adam kommen könntest. Kommt mit.“


„Adam, hast du heute Nachmittag Zeit? Wir könnten ausreiten und ich zeige dir die besten Plätze, wo wir im Frühjahr angeln gehen können.“

Er sah sie deprimiert an.

„Das geht leider nicht. Ich muss meinem Vater auf der Ranch helfen. Er will am Stall noch weiter bauen und da braucht er mich und dann muss ich auch noch auf meinen kleinen Bruder aufpassen.“

„Du hast kaum einmal Zeit für dich oder?“

„Koko, du weißt doch, wir sind erst seit dem Frühjahr hier und mein Pa und ich mussten zuerst alles alleine bewerkstelligen, weil er sich noch keine Arbeiter leisten konnte. Deswegen bin ich ja jetzt erst zur Schule gekommen. Seit dem Sommer wohnt Hop Sing bei uns und Pa hat sich mit den Nachbarn angefreundet und so Hilfe beim Bau des Hauses und dem Stall bekommen.
Fertig sind wir noch lange nicht. Er braucht mich halt. Nächstes Frühjahr will er dann mit der Rinderzucht anfangen und dann werde ich sicher auch mal am Nachmittag zum Angeln können.“

Mit einen mal veränderten sich Adams Gesichtszüge.

„Was ist los Adam. Stimmt etwas nicht?“

„Mmh ja . Mitch und seine Freunde kommen auf uns zu.“

„Na ihr zwei. Macht ihr schon Hochzeitspläne? Was wird dein Vater dazu sagen, dass du in ein Halbblut verliebt bist.“

Adam holte tief Luft und wollte sich auf keinen Fall von Mitch provozieren lassen.

„Mitch, kannst du uns nicht einfach in Ruhe lassen?“

„Warum sollte ich das tun? Ihr seid doch meine Freunde und mit Freunden verbringt man doch die Pause oder etwa nicht?“

Er drehte sich zu Koko.

„Hey Halbblut, was gibt es denn heute bei dir zum Frühstück?“

Er stieß sie so an, dass ihr Brot zu Boden fiel.

„Oh, das tut mir jetzt aber leid.“

Er sah seine Freunde an und alle lachten laut los. Adam ging einen Schritt näher an Mitch heran.

„Was soll das Mitch? Heb es sofort wieder auf?“

Mitch hob seine Hände hoch und grinste ihn hämisch an.

„Uhhhh, was willst du denn machen Cartwright? Mit mir schimpfen? Weil, prügeln kannst du dich ja nicht. Hat dir ja dein Papi verboten.“

Koko konnte sehen, wie Adam seine Hand zur Faust ballte.

„Adam komm, lass uns gehen. Ich habe sowie so keinen Hunger mehr.“

„Cartwright du willst doch nicht auf ein Mädchen hören?“

Adam stellte sich nun ganz dicht an Mitch ran.

„Ich lasse mich von dir nicht provozieren.“

Mitch sah zu Buck. Der nickte nur.

„Halbblut, warum hast du denn diese blöde Mütze auf.“

Mit einem Ruck riss Buck Koko die Mütze vom Kopf.

„Da kam man ja deine schönen langen schwarzen Haare gar nicht sehen.“

„Mensch Buck, wer will die schon sehen?“

Buck zog ein Taschenmesser aus seiner Hose. Die zwei anderen Freunde von Mitch und Buck hielten Koko an den Armen fest.

„Du hast Recht. Ich denke, es ist Zeit für einen Haarschnitt.“

Adam schubste Mitch zur Seite und stürzte sich auf Buck. Es dauerte nicht lange und alle Kinder auf dem Schulhof bildeten einen Kreis um die beiden und sahen bei der Schlägerei zu.
Plötzlich schrie Buck auf. Er hatte sich das Messer selbst in den Oberschenkel gerammt. Adam stand auf und sah erschrocken zu ihm hinunter. In dem Moment kam Mr. Fletcher dazu und brüllte Adam sofort an.

„Was ist hier passiert? Was hast du dummer Junge getan?

Mit einem übertriebenen Mienenspiel stand Mitch neben Mr. Fletcher.

„Cartwright hat Buck mit dem Messer bedroht und als Buck ihm es wegnehmen wollte, schlug er einfach zu.“
Adam fand keine Worte. Völlig entgeistert sah er Mitch und Mr. Fletcher an.

„Das stimmt doch gar nicht. Das ist Bucks Messer.“

„Jessica Yuma, du hältst dich da raus. Meinst du nicht, mir ist noch nicht aufgefallen, dass du dich mit Adam angefreundet hast. Da war mir aber sofort klar, dass dabei nichts Gutes herauskommen wird. Es würde mich nicht wundern, wenn du ihm das Messer gegeben hättest.“

Mr. Fletcher sah wieder zu Buck, der immer noch wimmernd am Boden lag.

„Kinder helft ihm auf und bringt ihn in die Klasse. Mitch, du läufst bitte zum Doktor und holst ihn. Danach gehst du Bucks Vater holen.“

„Mach ich doch sofort Sir.“

Bevor er jedoch losrannte, grinste er Adam und Koko noch frech an.





Koko und Adam standen mit den Pferden am Biberbach.

„Man Adam dein Vater wird dir schon glauben, dass du nicht schuld bist.“

Völlig geknickt saß Adam im Sattel.

„Da bin ich mir im Moment nicht sicher. Er hat so viel um die Ohren, dass er gar keine Zeit hat, mir richtig zuzuhören.“

„Aber kennt dich doch. Er muss doch wissen, dass du ihn nicht anlügen würdest.“

„Seit wir hier sind, ist halt alles etwas anders. Wir waren kaum angekommen, da hat er schon angefangen, seinen Traum zu verwirklichen. Er hatte sich nicht einmal die Zeit genommen, mit mir über das Land zu reiten, um sich alles anzusehen. Mein Vater arbeitet nur noch von morgens bis abends. Ich vermisse unsere Gespräche, die wir immer hatten, wenn wir zusammen auf dem Planwagen saßen oder abends am Feuer.
Es gibt Momente, da denke ich, ich bin nur eine Belastung für ihn.“

Koko lenkte ihr Pferd ganz dicht an Adam heran und legte ihre Hand auf seinen Arm.

„Adam, das bist du bestimmt nicht. Du hast mir so viel von deinem Vater erzählt.
Daher weiß ich, dass er dich lieb haben muss.
Adam, es gibt zwei Weisheiten, die mir mein Vater immer sagt und ich denke, die treffen auf dich im Moment zu. Das eine ist, mit Tränen in den Augen kannst du nicht in die Zukunft blicken und im Leben eines Indianers gibt es keine schlechten Tage.
Auch wenn die Zeiten noch so schwierig sind.
Jeder Tag ist gut.
Weil du am Leben bist, ist jeder Tag gut!“

Ein leichtes Lächeln huschte über Adams Gesicht.

„Danke. Ich werde mich auf den Weg zum Stall daran erinnern.“

„Wir sehen uns morgen früh Adam. Ich denke an dich.“

„Bis morgen Koko und danke.“


Adam hatte gerade Hoss ins Bett gebracht, als er hörte, wie die Haustür unten zuschlug. Er nahm den Brief von Mr. Fletcher und machte sich auf den Weg zu seinem Vater. Adam war froh, dass er doch bis zum Abend Zeit gehabt hatte, um seinem Vater den Vorfall zu berichten. Die Arbeit am Schuppen wurde auf morgen verlegt, weil Ben einen anderen Termin hatte.

„Guten Abend mein Sohn. Schläft Hoss schon?“

„Ja Sir.“

Ben wusste sofort, dass etwas nicht stimmte, als er die leise Stimme von Adam hörte.

„Adam?“

Dieses Mal senkte Adam nicht den Blick. Er reichte seinem Vater den Brief und dachte dabei an Kokos Worte. „Mit Tränen in den Augen kannst du nicht in die Zukunft sehen“. Er wollte stark sein und dann würde sein Vater ihm auch glauben.

Ben atmete tief aus. Was ist nur mit seinem Sohn los. Die ganzen Jahre der langen Reise konnte er sich sehr selten über ihn beklagen. Ja, er war teilweise mit der Gier nach Wissen und seinen vielen Fragen sehr anstrengend gewesen, aber über sein Benehmen konnte Ben sich vorher nie beschweren. Und jetzt. Kaum haben sie das Ziel erreicht, macht der Junge ihm nur Ärger. Ben öffnete den Brief und mit jeder Zeile konnte Adam sehen wie wütender sein Vater wurde.
Er brüllte ihn nicht an.
Das wäre Adam aber lieber gewesen.

„Woher hattest du das Messer?“

Adam steckte seine Hände in die Tasche. Sonst hätte er seine Hände vor Wut zur Faust geballt. Er hatte ihn nicht einmal gefragt, ob er wirklich an dem Vorfall schuld war. Sein Vater glaubte Mr. Fletcher sofort.

„Es war nicht mein Messer Pa. Ich habe auch nicht angefangen.“

Nun wurde sein Vater doch lauter.

„Lüg mich nicht an Adam.
Du weißt, dass ich Lügen niemals akzeptiere. Ich erwarte von dir, dass du zu deinen Fehlern stehst. Mr. Fletcher hat geschrieben, dass die anderen Kinder gesehen haben, das es dein Messer war und du Buck damit verletzt hast.“

Noch immer sah er seinen Vater direkt an.

„Die lügen Pa.“

„Alle?“

„Ja.“

„Adam ich bin so enttäuscht von dir. Wir sind noch nicht einmal ein Jahr hier, und schon hat mein Sohn den Ruf eines Schlägers, der andere auch noch mutwillig verletzt. Du kannst schon zum Stall vorgehen, ich komme gleich nach.“

Nun stand Adam kopfschüttelnd da.

„Du glaubst mir nicht Pa?“

„Nein. Zurzeit kann ich dir nicht glauben. Zu viel hast du in den letzten Wochen angestellt und jetzt geh.“

Auf dem Weg Stall versuchte Adam sich mit Kokos zweitem Rat aufzubauen, dass jeder Tag ein guter Tag ist. Aber so richtig wollte es nicht funktionieren.


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Ben war überhaupt nicht darüber erbaut, dass er nach einem anstrengenden Tag auf der Ranch nun auch noch in die Stadt zu Mr. Fletcher reiten musste. Aber er verstand es, dass Adams Lehrer ihn nach so einem Vorfall sprechen wollte. Ben betrat das Schulhaus und nahm seinen Hut ab.

„Ah, guten Abend Mr. Cartwright. Es freut mich, dass sie heute gleich kommen konnten.“

„Guten Abend Mr. Fletcher. Seien sie mir nicht böse, wenn ich sage, ich hätte gerne darauf verzichtet.“

Mr. Fletcher zeigte auf einen Stuhl und Ben nahm Platz.

„Es tut mir auch sehr leid, dass sie extra herkommen müssen, aber ich denke, es ist wichtig, dass wir uns einmal über Adams ungebührliches Verhalten unterhalten.
Ich möchte nur noch kurz warten, weil auch noch Jessicas Vater kommen sollte.“
„Jessica?“

„Ach, hat ihr Sohn nicht erzählt, dass er sich mit dem Indianermädchen angefreundet hat? Das würde mich auch nicht wundern. Seit er mit ihr die Pausen verbringt, ist sein Verhalten noch schlimmer geworden, was mich natürlich nicht überrascht. Was soll er sonst von einer Person lernen, die unter Wilden groß wird. Ich bin mir sicher, dass Adam das Messer von ihr bekommen hat.“

Jetzt war Ben überrascht. Adam hatte ihm nicht erzählt, dass er einen Freund gefunden hatte. So was hatte er doch sonst immer sofort gemacht. Adam fiel es doch nie leicht, richtige Freunde zu finden. Die meisten hielten ihn immer für einen Angeber, weil er schon so viel wusste und konnte.

Die Tür des Schulhauses ging auf. Ben musste kurz schlucken. Denn das letzte Mal, als er einen Indianer so dicht gesehen hatte, war der Tag, als Hoss Mutter starb. Auch Mr. Fletcher war zurückhaltender. Kokos Vater war eine imposante Erscheinung, groß und kräftig mit dunklen Augen, die die beiden Männer durchdringend ansahen.

„Yuma du kannst dort Platz nehmen.“

So wie seine Erscheinung war, so war auch seine Stimme. Sie war tief und er sprach betont langsam.

„Mr. Fletcher ich glaube, bei unserem letzten Zusammentreffen, sagte ich ihnen, dass sie mich entwender Amarok nennen sollen oder Mr. Yuma. Ich gehe davon aus, dass ihnen dieses Gespräch gerade nur entfallen ist und sie nicht die Absicht hatten, mich zu beleidigen.“

Ohne es selber mitzubekommen, ging Mr. Fletcher einen Schritt zurück.

„Entschuldigen sie bitte Mr. Yuma. Wollen sie nicht Platz nehmen, damit wir uns unterhalten können?“

„Nein. Denn das Gespräch wird sehr kurz sein. Ich habe nicht die Absicht, mir ihre Unwahrheiten anzuhören.“

Der Lehrer zog die Luft ein.

„Was wollen sie damit behaupten?“

„Dass sie nicht die Wahrheit geschrieben haben und das sie nicht bereit waren, meiner Tochter oder Adam zu glauben.“

„Die anderen Kinder haben doch gesehen, was passiert ist.“

„Wenn meine Tochter sagt, dass das Messer Buck gehörte und Adam sie nur beschützen wollte, dann ist es auch genauso passiert. Sie spricht nicht mit gespaltener Zunge.“

Völlig irritiert folgte Ben dem Gespräch.

Mr. Fletcher fing an zu stottern.

„Ja ……äh…. Dann muss … ich wohl….noch einmal äh…mit den Kindern…äh reden.“

„Dann ist ja alles gesagt und ich werde gehen.“

Kokos Vater verließ das Gebäude und schloss leise die Tür hinter sich. Ben sah Mr. Fletcher an.

„Ja Mr. Cartwright, was soll ich sagen, kann man so einem glauben?“

„Mr. Fletcher ich weiß nicht, was ich glauben soll, aber ihre Pflicht als Lehrer sollte sein, mit den Kindern noch einmal über die Sache zu reden und sich auch Adams und Jessicas Version anzuhören. Auch ich denke, dass das Gespräch jetzt zu Ende ist.“

Ben nahm seinen Hut und verabschiedete sich. Erst am Pferd fiel ihm auf, dass sie sich nicht über Adams allgemeines Verhalten unterhalten hatten. Zu beeindruckend war das Erscheinen des Indianers gewesen.

„Mr. Cartwright?“

Ben erschrak. Aus dem Dunkeln trat Jessicas Vater hervor.

„Ja.“

„Unsere Kinder verbringen viel Zeit zusammen. Adam hat eine Menge von ihnen erzählt. Ich wollte den Mann kennenlernen, der so weise ist, so klug und tapfer, dass er durch das ganze Land zieht, um seinen Traum zu verwirklichen.“

Ben fragte sich, was sein Sohn in letzter Zeit gemacht hatte und wann er die Gelegenheit hatte, sich mit dem Indianer zu unterhalten. Er musste doch auf der Ranch mithelfen oder auf Hoss aufpassen. Ben wurde klar, dass er nicht genau wusste, was Adam den ganzen Tag machte. Er stellte nur abends immer fest, dass alle Arbeiten erledigt waren, die er seinem Sohn gegeben hatte.

Ben wusste nicht, was er darauf antworten sollte.

„Mr. Cartwright, so wie Adam sie beschrieben hat, sind sie ein Vater mit einem großen Herzen, aber das Herz ihres Sohnes verdunkelt sich, ohne dass sie es merken.
Menschen, die bloß arbeiten, finden keine Zeit zum Träumen. Nur wer träumt, gelangt zur Weisheit. Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben.“
Ben verstand immer noch kein Wort was Jessicas Vater ihm sagen wollte.

„Mr. Yuma…ich..“

Kokos Vater hob die Hand.

„Denken sie über meine Worte nach. Ich wünsche ihn einen guten Abend.“

Er wollte gerade im Dunkeln verschwinden, als er sich noch einmal umdrehte.

„Mr. Cartwright, es gibt noch etwas was ich ihnen sagen möchte. Wie mein Volk mit Kindern lebt.
Wir sagen……. schlage ein Kind nie, und wenn es traurig oder ängstlich ist, dann nimm es einfach in den Arm.

Gute Nacht“


Auf den Weg zur Ranch, dachte Ben über die Worte des Indianers nach.
















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BeitragThema: Re: Eine Wolke hängt an der Spitze des Berges-Mein Herz hängt an ihr.----Indianisches Sprichwort. Teil AI   Do Jan 21, 2016 8:35 pm

Ben kehrte sehr spät zur Ranch zurück. Auf dem ganzen Heimweg dachte er über die Worte des Indianers nach. Was hatte er damit gemeint, Adams Herz verdunkelt sich? Er ließ die letzten Monate Revue passieren und was sich für sie beide verändert hatte.
War sein Sohn nicht glücklich, dass sie endlich ihr Ziel erreicht hatten? Adam hatte sich doch wie er darauf gefreut, sich niederzulassen, so das sie nicht mehr bei Wind und Wetter mit dem Wagen unterwegs waren. Das sie jetzt ein Zuhause gefunden haben. Was fehlte seinem Ältesten?
Er schaute in den dunklen Nachthimmel.
„Elizabeth hilf mir, unseren Sohn zu verstehen. Ich kann ihm alle seine Fragen beantworten, aber seine Gefühle und wie es in seiner Seele aussieht, waren mir schon immer ein Rätsel. Er sagt mir so gut wie nie, was er gerade denkt, ob es ihm schlecht geht, er traurig ist oder was für Ängste er hat. Elisabeth dein Sohn sagt mir nicht einmal mehr, wenn er krank ist.“

Er überlegte, wann er Adam das letzte Mal weinen gesehen hatte. Ben dachte lange darüber nach. Dann wurde ihm bewusst, dass er nicht mal bei Ingers Tod geweint hatte.
Wie sagte Jessicas Vater? Er sollte sein Kind in den Arm nehmen und nicht bestrafen, aber Adam wollte schon lange nicht mehr in den Arm genommen werden. Es war kurz nach Ingers Tod, da sagte Adam zu ihm, das er jetzt zu alt dafür wäre, und die wenige Zeit die Ben hätte, sollte er doch für Hoss nutzen. Und was hatte er gemacht? Er hat sich um Hoss gekümmert.
Hat er Adam in den letzten Monaten zu viel zugemutet? Ein kalter Schauer lief Ben den Rücken hinunter. In den letzten Monaten hatte er sich an keinem Tag mit Adam länger als zehn Minuten unterhalten und da hat er ihm nur mitgeteilt, was seine Aufgaben für den Tag wären und am Abend hatte er ihn dann früh zu Bett geschickt. Seit er zur Schule geht, liefen die Abende anders ab. Er meckert ihn aus und bestraft ihn für die Briefe, die er mit nach Hause gebracht hatte. Ben wurde bewusst, dass er ihn nicht einmal gefragt hatte, warum er in der Schule nicht klar komme. Und was ihn am meisten schockierte war, dass die Arbeit ihn blind gemacht hatte. In all den Jahren hatte sein Sohn ihn nie angelogen. Wie konnte er das vergessen. Wenn Adam sagt, er hatte kein Messer, dann hatte er auch keins. Er dachte nur, ob Adam ihm das je verzeihen kann.

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„Adam?....Adam?....Bist du wach?“

Adam machte die Augen auf und sah Hoss vor seinem Bett stehen.

„Hast du wieder schlecht geträumt?“

Hoss nickte nur mit dem Kopf.

Adam hob seine Decke hoch und sein kleiner Bruder kroch sofort an seine Seite.
Hoss hatte sich immer noch nicht daran gewöhnt, alleine zu schlafen, so kam er in jeder Nacht zu Adam in das Zimmer. Es dauerte aber nie lange und Hoss war wieder eingeschlafen. Adam brauchte danach immer etwas länger, um wieder die nötige Ruhe zu finden. Zu viele Gedanken schwirrten in seinem Kopf herum. Heute Nacht war es besonders schwer. Er wusste ja, dass sein Vater gestern Abend bei Mr. Fletcher war, und er machte sich Gedanken darüber, was ihn am Morgen erwarten würde. Sicher wieder eine lange Liste mit den Aufgaben, die er vor dem Frühstück und nach der Schule erledigen musste. Er hätte dann bestimmt nicht mehr die Zeit, zu Kokos Haus zu reiten.
Um sich ab und zu auch am Nachmittag zu sehen, hatte er, wenn seine Aufgaben erledigt waren, Hoss genommen und war zu ihr geritten. Am Anfang hatte er etwas Angst vor Kokos Vater, aber nachdem er sich mit ihm unterhalten hatte und er ihm zuhörte, freute er sich immer auf die Zeit bei Koko. Auch ihre Mutter mochte er. Es gab heiße Schokolade und Kuchen zum Kaffee und bereits nach dem zweiten Besuch drückte ihn Kokos Mutter immer zur Begrüßung und beim Abschied und fuhr ihm dann mit der Hand durch seine Haare, als ob Adam ihr Sohn wäre.
Inger hatte ihn auch jeden Abend vor dem Schlafen in den Arm genommen und beide haben über den Tag geredet. Dann gab sie ihm einen Kuss und zusammen sagten sie dann immer den gleichen Spruch auf.
Wenn der Tag vorüber ist, denke ich an alles, was ich getan habe. Habe ich den Tag vergeudet, oder habe ich etwas erreicht? Habe ich mir einen neuen Freund gemacht oder einen Feind? War ich wütend auf alle, oder war ich freundlich? Was ich auch getan habe, es ist vorbei. Während ich schlafe, bringt die Welt einen neuen strahlenden Tag hervor, den ich gebrauchen kann, oder vergeuden, oder was immer ich will. Heute Abend nehme ich mir vor: Ich werde gut sein, ich werde freundlich sein, ich werde etwas tun, was wert ist, getan zu werden.
Wenn er genauer darüber nachdachte wäre der Spruch etwas für Koko. Dann könnte er ihr auch einmal einen weisen Rat geben. Langsam fielen seine Augen zu und er schlief wieder ein. So merkte er nicht, dass sein Vater in sein Zimmer kam und sich auf das Bett setzte, um seine beiden Söhne einfach nur anzusehen und sich zu verinnerlichen, was er doch für ein Glück hat, dass er sie beide gesund bis nach Nevada gebracht hatte. Bevor er das Zimmer verließ, musste er lächeln und fragte sich, wie lange Hoss noch brauchen würde, bis er ohne Adam in seinem eigenen Zimmer schlafen konnte.


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Sein Vater brauchte ihn morgens nie zu wecken. Adam wachte immer rechtzeitig auf. Leise kroch er aus dem Bett, damit Hoss noch etwas länger schlafen konnte. Er machte sich fertig und packte seine Schulsachen zusammen, um dann schnell nach unten zu laufen damit, er seine Pflichten im Stall erledigen konnte. Er musste bis zum Ende des Jahres zur Strafe alle Boxen alleine ausmisten und die Pferde versorgen.
Als Adam mit dem Stall fertig war, kehrte er wieder in sein Zimmer zurück, um Hoss zu wecken und ihn anzuziehen.

„Hoss, du musst aufwachen. Der neue Tag ist da.“

Hoss zog die Decke wieder nach oben.

„Will nicht.“

„Hoss komm schon. Frühstück ist doch gleich fertig.“

„Essen?“

Adam lachte.

„Ja Hoss, wie jeden Morgen.“

Hoss schlug die Decke weg und setzte sich auf die Bettkante und streckte Adam die Arme entgegen.
„Trägst du mich?“

„ Nein. Du musst dich erst waschen und anziehen, bevor wir hinunter gehen.“

„Warum?“

„Weil Pa das so möchte.“

Hoss zog eine Schnute.

„Pa ist nicht da.“

Da hatte Hoss Recht. Ihr Vater frühstückte so gut wie nie mit ihnen, weil er schon früh das Haus verließ, um am Tag so viel wie möglich zu schaffen.

„Ja Pa ist nicht da, aber du ziehst dich trotzdem an.“

Hoss verschränkte die Arme vor der Brust.

„Nein.“

Na super, Hoss hatte seinen bockigen Morgen.

„Hoss, dann gehe ich alleine hinunter und esse deine Portion mit.“

Sofort fing er an zu weinen.

„Sag ich Pa.“

Adam reichte ihm die Hand.

Dann steh jetzt auf und wasche dich und ich hole deine Sachen.
Wenn du dich beeilst, dann trage ich dich auch zum Tisch.“

Hoss schniefte noch etwas, stand dann auf und Adam konnte durchatmen. Es gab Tage, da bockte Hoss bis zu einer halben Stunde. Dann konnte er das Frühstücken vergessen und musste gleich losgehen, damit er nicht zu spät zur Schule kam. Er kehrte mit Hoss Sachen zurück und half seinem kleinen Bruder schnell beim Anziehen. Danach nahm Adam Hoss, wie versprochen, auf den Arm und lief mit ihm die Treppe herunter. Auf dem Absatz verharrte er jedoch und sah überrascht zum Tisch. Sein Vater war da. Das konnte nur bedeuten, dass das Gespräch bei Mr. Flechter noch schlimmer gelaufen war, als er sich das vorgestellt hatte.

„Pa.“

Als Hoss seinen Vater am Tisch sitzen sah, wollte er sofort von Adams Arm hinunter und zu ihm rennen. Langsam folgte Adam seinem Bruder und setzte sich an seinen Platz.

„Guten Morgen Pa.“

Adam sah ihn nur kurz an, um dann auf den Teller zu starren und auf die Dinge zu warten, die sicher gleich auf ihn einbrechen würden.

„Adam, ich habe gestern Jessicas Vater kennengelernt.“

Adam wollte eigentlich gerade zu seiner Tasse greifen, aber erstarrte dann in der Bewegung. Er hatte nicht damit gerechnet, dass auch Kokos Vater zur Schule bestellt wurde. Da Koko und er gedacht hatten, dass Mr. Fletcher sich in ihrem Brief nur darüber beschwerte, dass sie sich eingemischt hatte.

„Warum hast du mir nie erzählt, dass du einen Freund in der Schule gefunden hast? Doch nicht etwa, weil Jessica ein Mädchen ist?“

„Ihr Name ist Koko Pa. Nur Mr. Fletcher nennt sie Jessica.“

„Adam, könntest du mich bitte ansehen, wenn wir uns unterhalten.“

„Ja Sir.“

Ben sah seinen Sohn an und erneut erschreckte er sich. Er hatte Adam schon lange nicht mehr lachen gesehen, und die Augen seines Sohnes hatten ihren Glanz verloren. Er hörte wieder die Worte des Indianers. Adams Herz verdunkelt sich und Ben wusste nun, was Kokos Vater ihm damit sagen wollte.

„Mein Sohn, ich weiß, wir haben in der letzten Zeit nicht viel miteinander geredet. Ich hätte aber mich gefreut, von dir zu hören, dass du Anschluss in der Schule gefunden hast.“

Adam schaute zu Hoss und dann wieder zu seinem Vater.

„Ich habe mich nicht getraut, dir von Koko zu erzählen.“

„Warum nicht. Mir ist es doch egal, ob dein Freund ein Junge oder ein Mädchen ist. Wichtig ist doch nur, dass ihr euch versteht.“

„Ist es dir auch egal, dass ihr Vater ein Indianer ist? Mum wurde doch von Indianern getötet.“

Ben lehnte sich in seinem Stuhl zurück und überlegte, welche Antwort er Adam geben konnte.

„Adam. Ich habe keinen Hass auf die Indianer, nur weil eure Mutter durch sie ihr Leben verloren hat.
Sie wollten uns nicht alle auf der Station töten. Sie waren nur hinter einem Mann her. An dem Tag haben wir nicht nur Inger verloren, sondern die Indianer haben auch um ihre Männer, die durch unsere Kugeln gestorben sind, getrauert. Ich verurteile deswegen nicht alle Indianer. Wichtig ist doch nur, dass du in Koko eine gute Freundin gefunden hast.“

„Kuchen von Kokos Mum ist lecker Pa.“

Hoss streichelte sich dabei über den Bauch. Adam hörte auf zu atmen. Spätestens jetzt würde sein Vater mit ihm schimpfen, weil er mit Hoss zu Koko geritten ist.

„Pa, ich war nur mit Hoss bei Koko, wenn ich meine Arbeiten erledigt habe. Glaube mir bitte.“

Ben erschrak. Was hatte er nur angerichtet? In wenigen Monaten hatte Adam anscheinend völlig das Vertrauen zu ihm verloren. Er konnte sehen, dass sein Sohn Angst davor hatte, wieder bestraft zu werden.

„Adam, was ist wirklich in der Schule los? Bitte erzähle mir, warum du nicht klarkommst?“

Adam war überrascht. Er hatte vermutet, dass sein Vater wieder sofort mit ihm schimpfen würde,en aber sprach in einem freundlich Ton mit ihm. Interessierte er sich doch noch für ihn?

„Mr. Fletcher lässt mich alle Aufgaben solange wiederholen, bis alle fertig sind. Ich habe angefangen, ganz langsam zu arbeiten und aus dem Fenster zu sehen, da ich sie nicht ständig noch einmal machen will.“

„Ich verstehe nicht, warum dein Lehrer dir dann nicht andere Aufgaben gibt?“

„Er glaubt, ich hätte bei dem Test für die Einschätzung geschummelt, deswegen hat er mich in die dritte Klasse gesetzt.“

Ben war entrüstet.

„Das ist doch Blödsinn. Du hast doch noch nie geschummelt.“

„Und weil ich den halben Vormittag träume, muss ich fast jeden Tag in der Ecke stehen.“

Ben schloss die Augen. Er schwor sich, dass er nie wieder wegen der Arbeit seine Kinder vernachlässigen würde. Auch wenn dann der Aufbau der Ranch halt etwas länger dauern sollte.Sein Traum sollte nicht auf Kosten seiner beiden Jungs gehen.

„Es tut mir so leid Adam, dass ich dir nicht zugehört habe.“

Ben konnte es nicht fassen, da war ein leichtes Grinsen bei seinem Sohn zu sehen.

„Pa, das in der Ecke stehen stört mich nicht mehr. Die Ecke ist an der Seite der Viertklässler und Tom liest mir die Aufgaben immer so laut vor, dass ich sie hören kann und sie dann im Kopf löse. Mr. Fletcher merkt nicht, das Tom das extra für mich macht. Am Anfang hatte er Tom deswegen noch ausgeschimpft, aber er erklärte ihm, dass er so dumm sei und die Aufgaben nur verstehen würde, wenn er sie laut vor sich hin murmelt. Das hat Mr. Fletcher dann akzeptiert. Denn für ihn sind alle Kinder nämlich dumm.“

Ben fragte sich, was das für ein Lehrer ist. Er nahm sich vor, am Montag in die Stadt zu reiten und mit dem Schulrat über Mr. Fletcher zu reden.
„Adam, bevor du gleich zur Schule musst, habe ich dir noch etwas zu sagen. Ich entschuldige mich bei dir, dass ich in den letzten Monaten keine Zeit für dich hatte und, dass ich dir nicht zugehört und geglaubt habe. Ich würde alles dafür geben, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte und unsere Unterhaltungen im Stall nicht geschehen wären. Ich möchte auch, dass du einmal in der Woche am Nachmittag das machst, worauf du gerade Lust hast. Wenn du dich mit Koko treffen möchtest, kannst du das dann tun, und du brauchst auch nicht Hoss mitzunehmen.“

Sofort kam ein Schrei von Hoss.

„Will auch zu Koko. Kuchen essen.“

Ben dachte nur, was aus Hoss werden wird, wenn er immer nur ans Essen denkt.

„Hoss, wenn dein Bruder an den anderen Tagen, alle seine Pflichten auf der Ranch erledigt hat und ich ihn nicht brauche, wird er sicher mit dir zu Koko gehen.“

Adam konnte nicht glauben, was gerade alles passiert war. Schläft er etwa noch und träumt nur? Sein Vater war wie früher. Er sah ihn an und hoffte nur, das es kein Traum war.

„Danke Pa.“

„Ja, und am Samstag machen wir alle einmal einen Ausflug und schauen uns an, wie unsere neue Heimat eigentlich aussieht.“

Das Schönste, was Ben jetzt sah, war, dass sein Sohn sich wieder freuen konnte.

„Und nun mein Sohn muss du dich beeilen, wenn du nicht zu spät zur Schule kommen willst und mach dir um Mr. Fletcher keine Sorgen. Darum werde ich mich in der nächsten Woche kümmern.“

„Ja Sir.“

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht stand Adam auf und zog sich seine Jacke an.

„Adam, du kannst dir ja mal darüber Gedanken machen, wie unsere Ranch heißen soll. Wir brauchen langsam einen Namen für sie.“

„Pa, da brauche ich mir keine Gedanken zu machen. Ich weiß schon, wie sie heißen soll.“

Ben schob sein Stuhl zurück und ging zu seinem Sohn.

„Da bin ich aber gespannt Adam.“

„Ponderosa“

„Ponderosa?“

„Amarok hat mir gesagt, ich soll die Natur ehren und mich bei ihr bedanken, für das was sie uns gibt. Deswegen denke ich, dass wir uns am besten damit bedanken, dass wir die Ranch so nennen, woraus sie besteht. Aus der Gelb Kiefer. Ponderosa Pines.
Und Pa, wenn wir den nächsten Baum fällen, möchte ich mich mit folgenden Worten bedanken.
Schau mich an, Freund! Ich bin gekommen, dich um dein Kleid zu bitten. Du gibst uns alles, was wir brauchen – dein Holz, deine Rinde, deine Äste und die Fasern deiner Wurzeln -, bereit, uns dein Kleid zu geben. Ich bin gekommen, dich darum zu bitten, Spender langen Lebens, denn ich will ein Heim aus dir machen. Ich bitte dich, Freund, zürne mir nicht und trag mir nicht nach, was ich jetzt mit dir tun werde. Und ich bitte dich Freund, erzähle es auch deinen Freunden, worum ich zu dir gekommen bin. Beschütze mich, Freund.

Ben war sich sicher. Nicht nur er wird in nächster Zeit von Kokos Familie viel dafür lernen, wie sie hier in Nevada richtig ankommen können.


„Dann soll es so sein. Dann wird unser Zuhause Ponderosa heißen.“





























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BeitragThema: Re: Eine Wolke hängt an der Spitze des Berges-Mein Herz hängt an ihr.----Indianisches Sprichwort. Teil AI   Mo März 28, 2016 4:41 pm

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Eine Wolke hängt an der Spitze des Berges-Mein Herz hängt an ihr.----Indianisches Sprichwort. Teil AI
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